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Schmitz und Müller als Meister der Wetterkapriolen

Tennis-Saarlandmeisterschaften beim TuS Neunkirchen. (Foto: STB)
Tennis-Saarlandmeisterschaften beim TuS Neunkirchen. (Foto: STB)

Tennis-Saarlandmeisterschaften beim TuS Neunkirchen unter erschwerten Bedingungen: Regen und Sturmböen machten den aktiven Damen und Herren zu schaffen.

Die Tennis-Saarlandmeisterschaften der Aktiven standen in diesem Jahr unter keinem guten Stern, was die äußeren Bedingungen anging. Das Turnier auf der Anlage des TuS 1860 Neunkirchen musste eine Wetterkapriole nach der anderen über sich ergehen lassen. Vor allem der Finaltag zog sich wegen immer wieder aufkommender Regenschauer hin wie Gummi. Die ständigen Unterbrechungen und langen Wartezeiten gingen an den Sportlerinnen und Sportler natürlich nicht spurlos vorbei. Im Finale der Herren profitierte Julian Müller vom TC Rot-Weiß Dillingen letztlich von der erschöpfungsbedingten Aufgabe seines Kontrahenten Mike Kessler. Der 34-Jährige vom TC Illtal Illingen konnte beim Stand von 6:3 und 0:3 aus seiner Sicht nicht mehr weitermachen.

„Ich war vom Halbfinale vornedran, das sich mit Regenunterbrechungen über drei Stunden hingezogen hat, schon so erschöpft. Im Finale ging es bei mir irgendwann einfach nicht mehr“, schilderte Kessler die Umstände seiner Aufgabe: „Mir war am Morgen schon nicht so gut, im Finale hatte ich Krämpfe und weiß gar nicht, wie ich den ersten Satz überhaupt gewinnen konnte. Ich bin natürlich ein bisschen traurig, dass es so für mich gelaufen ist“, sagte der mehrfache Saarlandmeister. Er habe im Vorfeld lange überlegt, ob er wegen seines Trainingsrückstands im Zusammenhang mit Corona überhaupt beim Turnier starten solle, ergänzte Kessler. Viele ältere Spieler hätten genau aus diesem Grund auf die Teilnahme an den Titelkämpfen verzichtet. Der neue Saarlandmeister zeigte sich ebenfalls enttäuscht vom Verlauf des Endspiels – es war ganz klar nicht die Art und Weise, wie sich Julian Müller seinen Titelgewinn vorgestellt hatte.

Ohne Satzverlust ins Endspiel

Dennoch war es für Müller der letztlich erfolgreiche Abschluss eines insgesamt guten Turnier-Auftritts: In Runde zwei bezwang der an Position drei gesetzte 22-Jährige zunächst Robin Reichrath (TuS Neunkirchen) mit 6:3, 6:1. Danach schaltete Müller mit Benedikt Quirin (6:2, 6:3) und Marcel Benoit (7:5, 6:0) zwei weitere Neunkircher aus, ehe er auch im Halbfinale gegen Marc Herrmann vom TV 66 Rohrbach bei seinem 6:2 und 6:3-Erfolg ohne Satzverlust blieb. Beide Vorschlussrunden-Partien waren geprägt von zahlreichen Regenunterbrechungen.

Während Müller sein Match nach dem erstmaligen Abbruch am Ende souverän nach Hause brachte, zeichnete sich im Parallel-Duell zwischen dem an Position zwei gesetzten Kessler und Torben Etgen vom TC Völklingen-Heidstock nach dem Eingreifen des Wettergotts eine Wende ab. Der an vier geführte Etgen startete furios aus der Regenpause und sicherte sich mit drei Spielgewinnen in Folge den zweiten Durchgang mit 6:3. Satz eins hatte Kessler mit 6:3 für sich entschieden. Im Match-Tiebreak begann es erneut heftig zu regnen, doch beide Akteure entschieden, das Match trotzdem fortzusetzen – mit dem besseren Ende für Kessler, der mit 10:7 ins Finale einzog.

Bereits im Achtelfinale gegen Emil Kaspari vom TC Rotenbühl hatte Kessler über die volle Distanz gehen müssen, um seinen jungen Widersacher mit 3:6, 7:6 und 10:8 niederzuringen. Im Tiebreak des zweiten Satzes lag er bereits 2:5 hinten. Es drohte das Aus, ehe sich Kessler mit fünf Punkten in Folge doch noch in den Entscheidungssatz rettete. „Da habe ich schon ein bisschen Glück gehabt. Im Match-Tiebreak war es dann eine einzige Schlacht, die ich glücklich für mich entschieden habe. Es tut mir leid für den Jungen, er hat ein richtig gutes Spiel gemacht“, fand Kessler lobende Worte für Kaspari. Im Viertelfinale gewann er daraufhin gegen Jonas Schweitzer vom TC Schwarz-Weiß Bous mit 7:5, 6:3. Der an Position eins geführte Routinier Thomas Burgemeister vom Tenniszentrum Sulzbachtal war bereits im Achtelfinale mit 5:7, 6:2 und 5:10 gegen Marc Kleber (TuS Neunkirchen) ausgeschieden.

Schwestern-Finale geht an die Ältere

Bei den Damen stand am Finalsonntag auf der Neunkircher Anlage ein Familienduell im Mittelpunkt des Geschehens. Und sowohl für Aiva Schmitz als auch für ihre jüngere Schwester Stella war es obendrein ein Heimspiel, schlagen sie doch beide für den TuS Neunkirchen auf. „Ich habe die letzten Matches ganz gut gespielt und freue mich sehr darauf, jetzt gegen Aiva zu spielen“, hatte sich die 14-jährige Stella vor dem Endspiel gegen ihre drei Jahre ältere Schwester optimistisch gegeben – doch am Ende sollte sich die größere Erfahrung auf Seiten von Aiva durchsetzen. Sie gewann das Schwestern-Finale mit 6:4, 6:4 und durfte sich somit über ihren ersten Titelgewinn freuen. Für die Jüngere hatte die Ältere aber viel Lob parat: „Sie ist wirklich nicht ohne – es ist schon anstrengend, gegen sie zu spielen“, verriet Aiva.

Sie gewann das Turnier am Ende sogar ohne Satzverlust:

Nach einem Freilos in Runde eins bezwang Aiva Schmitz im Viertelfinale zunächst Anna Huisgen vom Tenniszentrum Sulzbachtal mit 6:1 und 6:4. Im Halbfinale ließ sie Clubkollegin Aaliyah Hoffmann glatt mit 6:2, 6:2 abblitzen. Schwester Stella hatte zum Auftakt richtig kämpfen müssen, ehe sie gegen Vereinskameradin Jennifer Rieß vom TuS Neunkirchen knapp mit 6:2, 3:6 und 11:9 im Match-Tiebreak siegreich geblieben war.

Im Viertelfinale besiegte sie Sofie Schwenkreis (ebenfalls TuS Neunkirchen) glatt mit 6:2, 6:1. In der Vorschlussrunde musste mit Margaux Tulet-Jost gleich die nächste Neunkircher Clubkollegin dran glauben – 6:2, 6:2 hieß es für Stella Schmitz, ehe die ältere Schwester den Siegeszug jäh stoppte. Dennoch konnte Stella mit ihrem Auftritt beim Heimturnier zufrieden sein – und immerhin haben die Tennis-Schwestern mit dem Finalduell ein lange gehegtes Vorhaben nun abgehakt: „Das war eigentlich schon immer unser Ziel, dass wir uns mal im Finale der Saarlandmeisterschaften gegenüberstehen – toll, dass es jetzt geklappt hat“, sagte die neue Saarlandmeisterin.

Ihrer Vorgängerin und ehemaligen Seriensiegerin

bei den Tennis-Saarlandmeisterschaften blieb diesmal nur die Zuschauerrolle: Sarah Müller darf nach ihrem Wechsel vom TuS Neunkirchen zum Zweitligisten Ludwigshafen nicht mehr bei der Landesmeisterschaft an den Start gehen. „Das ist schon schade. Ich habe ja jedes Mal hier mitgespielt, und es war immer ein schönes Event“, sagte die 17-Jährige, die zu den größten deutschen Tennis-Hoffnungen zählt.

Das will sie nun auch im Nachbarbundesland unter Beweis stellen. „Es war für mich einfach der nächste Schritt, nach Ludwigshafen zu wechseln, dort in einer ambitionierten Mannschaft zu spielen. Ich freue mich auf diese Aufgabe. Es war schon lange mein Ziel, in der Bundesliga aufzuschlagen – um nicht zu sagen: sogar ein kleiner Traum“, blickt Müller vorfreudig nach vorne.

Weil der Start der Bundesliga auf August

verschoben wurde, wird sie im Juni wohl auch für das Ludwigshafener Regionalliga-Team zum Schläger greifen. Nach der entbehrungsreichen Corona-Zeit kann zusätzliche Spielpraxis definitiv nicht schaden. „Ich hoffe sehr, dass bald alles wieder besser wird“, wünscht sich Müller für die nahe Zukunft. Beim TuS Neunkirchen hätten sie sich für die Saarlandmeisterschaften definitiv besseres Wetter gewünscht. Auf der anderen Seite meisterte der Verein die Gastgeberrolle auch unter diesen schwierigen Gegebenheiten wie gehabt vorbildlich.

„Man muss den Turnierveranstaltern wirklich ein großes Lob aussprechen, wie sie die Veranstaltung bei diesen widrigen Bedingungen über die Bühne gebracht haben. Da war ja wettermäßig wirklich alles dabei – und das hat es wahrlich nicht leicht gemacht. Umso beeindruckender, mit welcher Geduld und Ruhe die Verantwortlichen reagiert haben“, fand der Präsident des Saarländischen Tennisbund (STB) Dr. Joachim Meier lobende Worte für den TuS Neunkirchen. Vor dem verregneten Finaltag hatten am Samstag vor allem heftige Windkapriolen das Spiel auf der roten Asche erschwert. Ein Kompliment gilt daher nicht zuletzt den Spielerinnen und Spielern, die sich davon nicht aus der Fassung bringen ließen.

Autor: David Benedyczuk, web: stb-tennis.de

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Markus Schneider
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