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MotoGP: Ist Marc Marquez wieder dabei?

Weltmeister Joan Mir möchte seinen Titel mit der Suzuki GSX-RR verteidigen. (Foto: Suzuki)
Weltmeister Joan Mir möchte seinen Titel mit der Suzuki GSX-RR 
verteidigen. (Foto: Suzuki)

Als der frischgebackene MotoGP Weltmeister Joan Mir nach dem letzten Rennen in Portugal im November 2020 von seiner blauen Suzuki stieg waren viele Motorradsportler froh und glücklich, dass trotz der Corona Pandemie ein würdiges Championat ausgetragen werden konnte. Die Hoffnungen 2021wieder eine „normale“ Motorrad – WM durchführen zu können waren groß. Sie konnten aber bislang nicht erfüllt werden. So gibt es zwar einen Terminkalender mit dem Saisonstart in Katar, aber schon bei zweitem Termin wird deutlich, dass auch 2021 ein Corona – konformer Kalender zu Einsatz kommt – auch Rennen 2 findet im Emirat Katar statt – ein Novum in der MotoGP. Da sich 2020 Doppeltermine – insgesamt gab es derer 5 mit insgesamt 10 Läufen – unter Corona Auflagen bewährten greift man also auch in der neuen Saison zu diesem Mittel.

Da auch die Testfahrten vor Saisonbeginn auf der Strecke auf dem Losail International Circuit mit insgesamt 5 Testtagen stattfanden werden einzelne Teams und Fahrer wie das Weltmeisterteam von Suzuki 4 Wochen am Stück in Katar verbringen – auch das ein Novum in der erstmals 1949 ausgetragenen Motorrad-WM. Auch Zuschauer sind bei den ersten Rennen nach wie vor nicht zugelassen, hier lassen sich die Veranstalter jedoch die Möglichkeit offen je nach aktueller (Corona)-Lage zu entscheiden um bei günstigen Voraussetzungen einige tausend Fans an die Strecke zu lassen. Ist die Pandemie auch im Motorradzirkus all gegenwärtig gab es doch im Vorfeld der neuen Saison ein Thema, dass ähnlich viel Interesse erzeugte und Fans wie Insider rund um den Erdball in seinen Bann zog – Marc Marquez und seine mögliche Rückkehr auf die Strecke. Der im Juli 2020 schwer gestürzte Multiweltmeister ist nach einer Odyssee aus mehreren Operationen, Rückschlägen und Rehamassnahmen soweit fit dass er am 16.03.2021 auf der Grand Prix Strecke von Barcelona einige Runden auf der Strassenversion seiner Honda RC213V in Angriff nehmen konnte. Ob die Fitness ausreicht um beim Saisonstart am 28.03.2021 an den Start gehen zu können ist derzeit noch nicht klar, Ersatzpilot Stefan Bradl ist daher vor Ort und kann bei Bedarf die Repsol Honda übernehmen.

Verteidigt Joan Mir und Suzuki den WM-Titel?

In den letzten 4 Jahren war zu Beginn der Saison der Sachlage immer klar geregelt – der Titelverteidiger hieß Marc Marquez und die Konkurrenz schickte sich an den spanischen Wunderknaben und dessen Honda RC213V zu jagen. 2021 ist die Situation eine andere – die Konkurrenz jagt nun die Blau-Silber lackierte Suzuki GSX-RR auf der der Überraschungsweltmeister Joan Mir sitzt.

Der Spanier gewann die WM im vergangenen Jahr relativ unspektakulär, glänzte weniger durch Siege als durch Konstanz und eine sehr überlegte Fahrweise- genau so wie er es in den Testtagen in Katar jetzt wieder machte. Nie tauchte sein Namen auf den Zeitenlisten ganz oben bei den Schnellsten auf, doch bei den durchgeführten Longruns, also Rennsimulationen mit gebrauchten Reifen war Mit ebenso wie Teamkollege Alex Rins in den Top Ten zu finden. Auch die Weiterentwicklung der Suzuki folgte der Devise lieber das bestehende Bike Schritt für Schritt vorsichtig weiter zu entwickeln als mit großen sofort sichtbaren Veränderungen die Aufmerksamkeit der Konkurrenz auf sich zu lenken. Die größte Veränderung gab es beim Weltmeisterteam im Januar ohnehin in der Teamführung. Völlig überraschend erklärte Teammanager Davide Brivio seinen Wechsel in die Formel 1 zu Alpine F1 .
Seine Position wurde nicht neu besetzt womit die Arbeit des Managers auf mehrere Schultern innerhalb des Teams von Suzuki verteilt wird.

Bringt der Fahrerwechsel im Werksteam Yamaha wieder nach vorne?

Die Ikone der MotoGP, Valentino Rossi, sorgte bei seinem Wechsel vom Yamaha Werksteam ins private Kundenteam Petronas Yamaha STR für viel Gesprächsstoff im Winter. Doch der Druck der jungen Wilden von Yamaha, Fabio Quartararo und Maverick Vinales, war so groß dass sie nun im offiziellen Werksteam für den Hersteller mit den 3 Stimmgabeln im Logo die vorderste Front im WM-Kampf bilden.

Bei den Testfahrten lief es für Yamaha sehr gut konnten sich doch Vinales, Quartararo und Morbidelli in den Top 5 platzieren. Rossi ( Platz 11 ) ist dabei in einer komfortablen Situation. Er verfügt mit der neuesten Ausbaustufe der Yamaha M1 weiterhin über erstklassiges Werksmaterial, sein Teamkollege ist mit Franco Morbidelli (s)ein Zögling aus der eigenen Rennfahrerschule, der VR46 Akademie, und das Team STR ist anerkannt im Fahrerlager als bestens organisiert und finanziert.

Geht der WM-Titel 2021 nach Italien?

3 Jahre ist es her dass Ducati zum letzten Mal den Motorradweltmeister in der MotoGP stellen konnte. Doch seit dem Triumph von Casey Stoner wartet das Team aus dem Stadtteil Borgo Panigale in Bologna auf einen ähnlichen Erfolg. Dabei waren sie viele Jahre mit Andrea Dovizioso ganz nah dran.

Für die neue Saison haben sich die Roten auf der Fahrerseite jedoch ganz neu aufgestellt. Jack Miller, MotoGP Grand Prix Sieger und Dauertalent sowie Francesco Bagnaia, Moto-2 Weltmeister 2018, gehen für die Truppe um Technikguru Gigi D´alligna auf die Titeljagd. Dabei können sie auch dieses Jahr auf technische Kniffs setzen die sich der Ducati Technikchef im Winter ausgedacht und in den beiden GP21 Bikes verbaut hat.

Eine neue Startvorrichtung am Vorderrad, eine geänderte Luftführung am und im Unterboden der Verkleidung, eine neuer Massedämpfer am Heck des Motorrades waren die augenfälligsten Neuerungen die der Konkurrenz beim Test in Katar manche Sorgenfalten bereiteten. Aber auch im und am Motor haben die Techniker offensichtlich Hand angelegt – mit 357,6 km/h Topspeed zeigte die Pramac Ducati von Johann Zarco die mit Abstand höchste Endgeschwindigkeit auf der 1,1 km langen Start und Zielgeraden auf dem Losail Circuit, danach folgten in der Topspeedwertung 4 weitere Ducatis (!).

Die Italiener sind also gut gerüstet für den Angriff auf die WM-Krone wobei Jack Miller von den insgesamt 6 Ducatipiloten am stärksten einzuschätzen ist.

Gelingt KTM die große Überraschung?

Das 5. Jahr als Permanentstarter in der MotoGP könnte für KTM mit dem größten sportlichen in der Firmenhistorie enden – dem WM Titel in der MotoGP. Den Fortschritt den KTM seit dem Einstieg in die MotoGP gemacht hat lässt sich gut am Beispiel vom langjährigen Stammpiloten Pol Espargaro anhand seiner Endplatzierungen im WM-Klassement festmachen.

Von Platz 17 über 14 und 11 erreichte der Spanier im vergangenen Jahr Platz 5 wobei ihm die Teamkollegen Binder und Oliveira mit insgesamt 3 Grand Prix Siegen etwas die Show stahlen. Aber KTM ist inzwischen ein Siegerteam in der MotoGP und in Mattighofen wird alles getan damit der eingeschlagene Weg weiter geht. Mit Brad Binder, Miguel Oliveira, Danilo Petrucci und Iker Lecuona hat das Team drei Grand Prix Sieger im Einsatz. Und die RC16 ist ein schlagkräftiges Motorrad das den Vergleich zur Konkurrenz nicht zu scheuen braucht. Allerdings haben die Techniker um Mike Leitner bis zum Saisonbeginn am kommenden Wochenende noch viel Arbeit vor sich.

Die Testfahrten verliefen nicht so erfreulich wie man es sich im KTM Lager erhofft hatte. Die schnellste KTM fand sich in der Zeitenliste erst auf Platz 16 wieder wobei der Zeitenrückstand auf die Führenden über 1,3 Sekunden beträgt. Hoffnung macht KTM die Tatsache dass der Losail Kurs in Katar den orange-roten Rennern aus der Alpenrepublik schon im letzten Jahr nicht besonders gelegen hat und 2020 trotzdem für das Team das bislang erfolgreichste in der MotoGP wurde.

Ist Aprilia der Geheimfavorit für 2021?

Suzuki war der große Überraschungsweltmeister im vergangenen Jahr, niemand der Experten traute der Truppe um Davide Brivio den Titel zu. Kann es 2021 durch Aprilia noch einmal so eine Überraschung geben? Zumindest bei den Testfahrten war Aleix Espargaro auf der neuen RS-GP das Gesprächsthema in der Boxengasse am Losail Circuit.

Die von Aprilia Technikchef Romano Albesiano neu entwickelte Maschine sticht zunächst einmal durch einen mächtigen Frontspoiler an der Verkleidungsfront aus dem Feld der restlichen MotoGP-Motorräder heraus. Kein anderer Hersteller verwendet solch ein auffälliges Design. Aber auch technisch hat sich offensichtlich viel bei der Aprilia getan. Während der 5 Testtage war A.Espargaro immer unter den Schnellsten zu finden und im Abschlussklassement steht die RS-GP auf Platz 6, noch vor den Werksmaschinen von Suzuki, Honda und KTM.

Und Aprilia meint es offensichtlich ernst. Für April wurden Testfahrten mit dem ehemaligen Aushängeschild von Ducati, Andrea Dovizioso , angekündigt. Der dreimalige Vizeweltmeister der MotoGP gilt unter Experten als der Mann der dem Team aus Noale den entscheidenden Input geben kann damit Aprilia für die Überraschung 2021 sorgen könnte. Doch vor dem Start in die neue Saison muss das Team auch einen schweren Schicksalsschlag verdauen. Fausto Gresini, der für Aprilia die Einsätze in der MotoGP mit seinem Team Gresini Racing leitete, verstarb am 23. Februar nach wochenlangen Kampf an Corona. Man kann dem kleinsten Team in der MotoGP nur wünschen dass sie dies gut verkraften und weiterhin im Kampf gegen die großen Teams und Hersteller bereit sein werden.

Kommt der größte Motorradhersteller der Welt aus der sportlichen Krise?

Seit dem Sturz von Marc Marquez im Juli 2020 und der damit verbundenen Krankengeschichte des Weltmeisters sind die Erfolge des ruhmreichen Honda Repsol Teams ausgeblieben. Weder Marcs Bruder Alex noch Ersatzpilot Stefan Bradl konnten nur ansatzweise an die Erfolge anknüpfen die der ältere der beiden Marquez Brüder seit Jahren für das Team einfährt.

Zwar kamen Alex Marquez und auch Stefan Bradl im Laufe der Saison immer besser mit der Honda RC213V zu recht, aber keiner konnte die Maschine letztendlich so bewegen wie der 8-fache Weltmeister und so blieb das Team zum ersten Mal seit vielen Jahren ohne einen einzigen Grand Prix Sieg. Umso mehr hoffen die Verantwortlichen bei Honda dass Marc in dieser Saison zurückkommt um an alte Erfolge anknüpfen zu können.

Doch wann dies sein wird ist noch nicht bekannt. Für zwei Testtage in Barcelona und Portimao kehrte Marc Marquez mit der Strassenversion seiner Rennmaschine wieder auf die Rennstrecke zurück, doch ob diese beiden Tage reichen werden um für Katar die nötige Fitness und Reaktionsschnelligkeit eines MotoGP Piloten aufzubauen bleibt abzuwarten. 5 Tage vor Beginn des ersten offiziellen Trainings am Freitag gibt es seitens Honda noch keine verlässlichen Informationen.

So gehen Experten davon aus dass Stefan Bradl an der Seite des neuen Hondafahrers Pol Espargaro die Saison eröffnen werden und Marc Marquez beim 3. Rennen in Portimao dann zum Einsatz kommen wird falls es sein Fitnesszustand erlaubt. Die RC213V ist bereit für die neuen Saison. Pol Espargaro konnte die Testfahrten innerhalb der Top Ten abschliessen und Honda hat jederzeit genug Kapazitäten die Maschinen für ihre Piloten weiter zu optimieren.

Autor: Hartmut Reuschel, web: motogp.com/de

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Markus Schneider
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