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Melitta Czerwenka-Nagel mit W90-Weltrekord über 400 Meter

Melitta Czerwenka-Nagel mit W90-Weltrekord über 400 Meter. (Foto: Lutwin Jungmann)
Melitta Czerwenka-Nagel mit W90-Weltrekord über 400 Meter. (Foto: Lutwin Jungmann)

Die Saarbrücker Seniorenläuferin Melitta Czerwenka-Nagel hat am Montag in Saarlouis einen neuen Weltrekord in der Altersklasse W90 aufgestellt. Für die vielfache Weltmeisterin ist es ihr erster Rekord über 400 Meter.

Es ist 19:35 Uhr am Montag

im Stadion Großer Sand in Saarlouis-Fraulautern, die Dämmerung beginnt, und der vorletzte Lauf des vom LAC Saarlouis organisierten Sprinterabends steht an.

Er soll das Highlight des Tages werden, denn die Ausnahme-Seniorenläuferin Melitta Czerwenka-Nagel (LAG Saarbrücken) hat einen Weltrekordversuch über 400 Meter in der Altersklasse W90 angekündigt. Für den Start wird es ganz Still im Stadion, dann der Startschuss.

Nun beginnen die auf der ganzen Stadionrunde am Rand der Laufbahn mit Abstand verteilten Zuschauer sie lautstark anzufeuern. Schnell wird klar, dass sie den Rekord schaffen wird. Der stand vorher bei 2:46,56 Minuten.

Angepeilt hatte die 90-Jährige eine Zeit von etwa 2:30 Minuten, es wurde aber viel schneller. Unter dem Beifall der Zuschauer stoppte die Uhr im Ziel bei 2:16,19 Minuten, neuer W90-Weltrekord über 400 Meter. „Ich hätte niemals gedacht, dass ich so schnell bin.

Diese Zeit habe ich nicht erwartet, da bin ich ehrlich“, konnte sie es zunächst selbst kaum glauben. Zu ihren sieben Weltrekorden, die sie aktuell immer noch hält, war der achte hinzugekommen.

Anschließend ging das Feiern los.

Zahlreiche anwesende Seniorenleichtathleten bildeten mit ausreichend Abstand einen großen Kreis um sie und applaudierten. Zu den ersten Gratulanten zählten Ulrike Julien, die Vereinsvorsitzende des LAC Saarlouis, und Raphael Schäfer, Vizepräsident Breitensport des Saarländischen Leichtathletik-Bundes. Den immer noch vorhandenen Ehrgeiz erkennt man bei Melitta Czerwenka-Nagel, als sie ihr eigenes Zielfoto sieht. „Meine Haltung gefällt mir noch nicht ganz. Aber man ist halt 90 Jahre alt und muss weiter an sich arbeiten“, scherzt sie.

Zum Wettkampf ist sie noch selbst mit dem Auto aus Saarbrücken angereist, während der Sportwart ihres Vereins als Beifahrer die Wegbeschreibung lieferte. Auch sei sie bis zwei Tage vor dem Rennen noch sehr aufgeregt gewesen, als die Beine noch nicht wieder locker waren vom Training. Nach einem Lavendelbad am Vorabend des Wettkampfes haben die sich dann frisch und entspannt angefühlt.

„Im Stadion waren ideale Bedingungen, kein Wind, sehr reine Luft mit viel Sauerstoff durch die vielen Bäume in der Nähe und eine tolle familiäre Atmosphäre. Das hat mir sehr gut gefallen“, beschreibt sie ihre Freude, die sie schon beim Warmlaufen verspürte. „Als ich dann während dem Lauf bei 200 Meter meine Zwischenzeit bekommen habe, da war ich überrascht“, verriet sie. Zu diesem Zeitpunkt war sie schon sechs Sekunden schneller als geplant. „Da habe ich mir gesagt ‚jetzt muss ich dran bleiben’, das wird eine super Zeit“, beschreibt, welche Gedanken ihr währen dem Lauf durch den Kopf gingen.

„Am Dienstag bin ich dann gar nicht aus dem Haus raus gekommen.“ Neben einem Pressebesuch der Bildzeitung und weiteren Anfragen habe permanent das Telefon geklingelt, und viele Gratulanten meldeten sich bei ihr. „Dabei will ich doch jeden Tag einen flotten Gang draußen machen, und sei es nur zum Einkaufen.“ Für den Mittwochmorgen hat sie sich deswegen gleich mal zum Training einen Termin im Kraftraum besorgt, bevor es nachmittags mit einem Telefoninterview für Radio Salü weitergeht.

Im weiteren Saisonverlauf

plant sie auch noch einen Angriff auf den W90-Weltrekord über 800 Meter und will sich künftig auch wieder bis zur 1.500-Meter-Strecke steigern. „Hoffentlich kommen ab Januar dann auch wieder Wettkämpfe in der Halle für uns Senioren“, ist sie voller Tatendrang.

Die guten Bedingungen nutzten in Saarlouis auch die Kurzsprinter. Saarlandmeisterin Svenja Jakobs (LA Team Saar) siegte über 100 Meter der Frauen in Saisonbestzeit von 12,21 Sekunden, während bei den Männern Jens Martini in 22,39 Sekunden und Kilian Mark (beide LAZ Zweibrücken) in 22,56 Sekunden über 200 Meter schneller waren als bei den Landesmeisterschaften. Über 300 Meter machte sich Emely Rothfuchs (W14, TV Homburg) selbst ein vorgezogenes Geburtstagsgeschenk. Vier Tage vor ihrem 14. Geburtstag siegte sie in 41,05 Sekunden, womit sie aktuell die Drittschnellste ihres Jahrgangs in Deutschland ist.

Autor: Manuel Keil, web: slb-saarland.com

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Markus Schneider
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