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Kreativer Umbau und Erweiterung von Sportstätten

Die Protagonisten des LSB-Forums in Kaiserslautern (v.l.): Referent Sebastian Schneider (DOSB), Dirk Schelhorn (Landschaftsarchitekt), Andreas Kampmann (Büro L.A.U.B.), Prof. Robin Kähler (IAKS-Vorsitzender), Dr. Ulrich Becker (LSB-Vizepräsident), Stefan Henn (ISE). (Foto: LSB)
Die Protagonisten des LSB-Forums in Kaiserslautern (v.l.): Referent 
Sebastian Schneider (DOSB), Dirk Schelhorn (Landschaftsarchitekt), 
Andreas Kampmann (Büro L.A.U.B.), Prof. Robin Kähler (IAKS-Vorsitzender), 
Dr. Ulrich Becker (LSB-Vizepräsident), Stefan Henn (ISE). (Foto: LSB)
  • Der Sport braucht ein schönes Zuhause
  • LSB-Forum „Kreativer Umbau und Erweiterung von Sportstätten“ in Kaiserslautern

Deutschland ist vom Sportstätten-Weltmeister abgestiegen in die Niederungen der Kreisklasse. Das betonte Sebastian Schneider, Referent Sportstätten und Umwelt beim Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB), anlässlich des Forums „Kreativer Umbau und Erweiterung von Sportstätten – Möglichkeiten der bedarfsgerechten Sportanlagengestaltung mit unterschiedlichem Budget“.

Eingeladen in die Räumlichkeiten des Sportbundes Pfalz nach Kaiserslautern hatte der Landessportbund in Kooperation mit dem Städtetag, dem Gemeinde- und Städtebund und dem Landkreistag Rheinland-Pfalz sowie dem Institut für Sportstättenentwicklung (ISE).

Vor 50 Zuhörern –

Sportkreisvorsitzende, Vorstandsmitglieder von Vereinen, Schulsportreferenten, Sportwissenschaftler, Kreisbeigeordnete oder auch Sportamtsleiter von Städten, Kommunen und Landkreisen – bezifferte Schneider den Sanierungsstau auf mindestens 31 Milliarden Euro. „Der Sport braucht ein schönes Zuhause, deswegen müssen wir in die Zukunft investieren“, forderte der Hesse.

„Wir haben einen großen politischen Handlungsbedarf, müssen die Förderanstrengungen intensivieren.“ Grundsätzlich liege die Verantwortung bei den Bundesländern und Kommunen, moderne statt marode Sportstätten sicherzustellen. Laut Schneider sind Sportstätten als Bildungs-, Gesundheits- und Integrationsplatz die Ressourcen, von denen der Vereinssport primär lebt. Sportplätze, Sporthallen und sonstige Anlagen seien „Voraussetzung für den Vereinssport“ und bürgten für viel Lebensqualität. Sporthallen würden auch für Hochzeiten, Geburtstagsfeiern oder Wahlen genutzt.

Insgesamt gebe es im Land 230.000 Sportstätten, darunter 66.000 ungedeckte Anlagen wie Leichtathletik-Anlagen oder Fußballplätze, 36.000 Sporthallen, 15.000 Schießsportanlagen, 13.000 Tennisanlagen und knapp 6.500 Bäder.

Dazu kämen 370.000 Kilometer Sportstätten in Linienform – Loipen, Reitwege und dergleichen. „Die Anzahl ist also nicht das Problem“, konstatierte Schneider. „An Quantität haben wir tatsächlich genug – aber wir vernachlässigen sehr deutlich unsere Infrastruktur.“

Laut dem DOSB-Experten kann es künftig nur funktionieren, „indem die Länder sagen, wir geben jetzt mal Geld in die Sanierung“. Nordrhein-Westfalen habe 300 Millionen, Hessen 50 Millionen und Bayern etwa zehn Millionen Euro zusätzlich für den Sportstättenbau zur Verfügung gestellt. Ergänzungen durch den Bund täten not. „Auch das Leader-Programm der EU kann eine interessante Sache sein“, so Schneider.

„Man muss vielleicht an der einen oder anderen Ecke auch ein bisschen kreativ sein – dann hat man Möglichkeiten, die eigene Sportstätte nach vorne zu bringen.“ Zunehmend könnten auch Vereine Förderanträge stellen. Wobei ISE-Leiter Stefan Henn anmerkte, dass nicht nur die Summe der Fördergelder entscheidend sei, sondern auch die Systematik, nach denen Gelder vergeben werden.

Prof. Robin Kähler,

Vorsitzender der IAKS Deutschland und Direktor a.D. des Sportzentrums der Uni Kiel, kritisierte, dass „der Sport völlig missachtet wird auf der kommunalen und der Finanzebene“. Kähler wörtlich:

„Die Kommunen sind so reich wie nie, die Probleme sind nicht so groß wie nie – aber es wird nichts daraus gemacht“. Die Probleme bei den Vereinen („Ihnen kann man keinen Vorwurf machen“) seien überall gleich – nämlich die Sanierung, Modernisierung und Weiterentwicklung ihrer eigenen Sportstätten. Scharf kritisierte der renommierte Sportraumplaner, der gerade Konzepte für die Sportstättenentwicklungsplanung in München erarbeitet, auch die Förderung der Bundesländer, die mitunter zu sehr an Normen ausgerichtet sei.

„So ein Quatsch“, echauffierte sich Kähler. Die Fördersysteme seien „völlig falsch und viel zu kompliziert – da muss man den Doktor machen, um die Anträge auszufüllen“. Seine Forderung: Umdenken. „Wir müssen unsere Quadrate und Rechtecke in den Köpfen aufgeben und schauen, was von der Idee her geht.“

Auch mit begrenztem Budget sei manches möglich, wenn man sich klug an die Entwicklungen anpasse bzw. mit den kommunalen Entscheidungsträgern abstimme. Kähler, der selbst Vereinsvorsitzender ist, appellierte an die Macher in den Vereinen, offener, integrierter, geduldiger und mutiger zu Werke zu gehen.

Andreas Kampmann,

Prokurist und Gesellschafter der L.A.U.B. Ingenieursgesellschaft Kaiserslautern, zeigte auf, wie man Veränderungen meistern kann, indem man Vereinsanlagen ergänzt, erweitert bzw. die Aufenthaltsqualität verbessert. „Wichtig ist immer, dass man so etwas plant, dass da ein Konzept dahinter steht“, betonte der Landschaftsarchitekt.

„Dann haben Sie hinterher nicht so ein zusammengestoppeltes Sammelsurium von Einzelsportanlagen.“ Jede einzelne Maßnahme, die man umsetze, sei für den Verein und den Ort ein Gewinn – wobei man immer auch für adäquaten Lärmschutz sorgen müsse: „Das ist dann jedes Mal auch eine Kostenfrage – aber dieser Aufgabe muss sich eine Kommune stellen.“

Beispiele, wie sich öffentliche, niederschwellige Sport- und Bewegungsangebote gestalten und vernetzen lassen, skizzierte Garten- und Landschaftsarchitekt Dirk Schelhorn aus Frankfurt, ein ausgewiesener Spezialist im „Um-die-Ecke-denken“. Zahlreiche Freiluft-Sportanlagen entsprächen klassischen Normen mit Fußballplatz und Laufbahn, würden aber zu 70 Prozent der Zeit gar nicht genutzt.

„Wir müssen den öffentlichen Raum zurückgewinnen für unser aller Angebote“, plädierte der Bewegungs-Fan leidenschaftlich. „Statt Bankentürme, die krank machen, brauchen wir Klettertürme für die Gesundheit.“

Die gesunde Stadt ist die Grundlage einer sozialen Stadt. Fakt sei, dass Sport städtebaulich „als Ausnahme“ angesehen werden müsse. Dabei seien öffentliche und halböffentliche Räume die wichtigste Säule gegen Bewegungsmangel und für Bewegungsformen. Wenn man einen öffentlichen Weg als Laufbahn baue, beeinflusse dies das Bewegungsverhalten der Menschen positiv.

Schelhorn propagierte den Sportpark als Bildungs- und Bewegungscampus für Familien – für alle Generationen. Die Stadt bilde den Rahmen für Erlebnisräume, in denen Spielen und Bewegen an den verschiedensten Orten stattfinden kann.

Autor: Michael Heinze, web: lsb-rlp.de

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Markus Schneider
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