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Auf dem Weg der Hoffnung

Große Freude
Große Freude. (Foto: Laureus)
  • Olympiateam der Flüchtlinge gewinnt Laureus Sport for Good Award for Sporting Inspiration.
  • Team inspiriert mit seiner Teilnahme an den Olympischen Spielen 2016 in Rio Vertriebene rund um den Globus.
  • Chef de Mission Tegla Loroupe: „Dieser Preis ist für die 65.4 Millionen Flüchtlinge auf der ganzen Welt.“

Als die zehn Mitglieder des olympischen Flüchtlingsteams am 5. August 2016 bei der Eröffnungsfeier der Olympischen Spiele in Rio direkt vor Gastgeberland Brasilien in das Maracanã-Stadion einmarschierten, schrieben sie Geschichte. Sie eroberten die Herzen der Welt im Sturm auf dem Weg der Hoffnung.

Kennenlernen der Flüchtlinge

In diesem Augenblick lernten wir die erste aus Flüchtlingen bestehende Olympiamannschaft kennen, die je an Olympischen Spielen teilnahm. Als die Sportlerinnen und Sportler unter der olympischen Flagge einliefen und sich zu den besten Athleten der Welt gesellten, sendeten sie ihre inspirierende Botschaft an Vertriebene auf der ganzen Welt hinaus. Würden wir von ihrem „Weg zu den Olympischen Spielen“ sprechen, würde dies ihren persönlichen Geschichten nicht gerecht.

Kraft des Sports

In Rio verkörperte das Olympiateam der Flüchtlinge die Kraft des Sports. Heute wurden sie im Vorfeld der Laureus World Sports Awards 2017 in Monaco mit dem Laureus Sport for Good Award for Sporting Inspiration geehrt. Nawal El Moutawakel, Mitglied der Laureus World Sports Academy und Vorsitzende der IOC-Koordinierungskommission für die Olympischen Spiele 2016 in Rio, gab die Preisträger im Rahmen einer Pressekonferenz bekannt.

Angeführt wurde das Flüchtlingsteam von Chef de Mission Tegla Loroupe.  Sie ist ebenfalls Laureus-Academy-Mitglied und eine der erfolgreichsten Langstreckenläuferinnen aller Zeiten. Welche Bindung Loroupe zu ihren Athleten aufbaute, liegt auf der Hand: Wenn sie von ihr sprechen, bezeichnen sie viele Teammitglieder als ihre „Mutter“. Die aus Syrien, dem Kongo, Äthiopien und dem Südsudan stammenden Flüchtlinge nahmen an olympischen Leichtathletik-, Schwimm- und Judowettbewerben teil. Sie traten dabei nicht nur für ihre krisengebeutelten Heimatländer an, sondern für die ganze Welt.

Empfang

Bei der Pressekonferenz wurde Loroupe von zwei Vertretern des olympischen Flüchtlingsteams begleitet. Dem 800-Meter-Läufer Yiech Pur Biel aus dem Südsudan und dem syrischen Schwimmer Rami Anis. Bei der morgigen Verleihung der Laureus World Sports Awards in Monaco werden sie gemeinsam mit dem äthiopischen Marathonläufer Yonas Kinde auf der Bühne stehen. Sie nehmen die begehrte Laureus-Statuette in Empfang.

Yiech Pur

Yiech Pur Biel fand sich im Alter von neun Jahren plötzlich allein im sudanesischen Busch wieder, als seine Mutter und seine jüngeren Brüder kurz vor Ende des Bürgerkriegs 2005 flohen. Er hat seitdem nichts von seiner Familie gehört. Biel schlug sich allein im Busch durch, ernährte sich von Früchten und Blättern, die er fand, und tat alles, um den Gefechten fernzubleiben und zu überleben. Sein Weg führte ihn schließlich in ein Flüchtlingslager in Kakuma, Kenia. Dort traf er Tegla Loroupe und entdeckte das Laufen für sich. Durch die Arbeit der Tegla Loroupe Peace Foundation, bekam er die einmalige Change an einem Athletencamp für Flüchtlinge in N’ngo teilzunehmen. Zehn Monate später fand sich Yiech an der Startlinie in Rio wieder, um gegen die besten Läufer der Welt anuzutreten.

Rami Anis

Rami Anis wuchs in der syrischen Hauptstadt Aleppo auf. Sein Schwimmtalent wurde schon früh erkannt; er galt als eine der größten Zukunftshoffnungen des Landes und schwamm für die syrische Nationalmannschaft. Als die Unruhen in der Stadt immer schlimmer wurden, floh Anis im Jahr 2011, wie viele andere auch. Mit dem Ziel Europa wagte er die gefährliche Überfahrt von der Türkei nach Griechenland. Der Motor seines Bootes fiel aus. Danach setzte er seinen Weg über Mazedonien, Serbien, Kroatien und Ungarn nach Österreich und Deutschland fort, bevor er schließlich Belgien erreichte. Anis nahm sein Training wieder auf, gab sein Äußerstes und wurde als eines der zehn Mitglieder des Olympiateams der Flüchtlinge ausgewählt. In Rio stellte der Syrer in den Vorläufen über 100 Meter Freistil eine neue persönliche Bestmarke auf.

Zitate

Nawal El Moutawakel: „Das Olympiateam der Flüchtlinge schrieb eine der besten Geschichten des Sportjahres 2016. Durchhaltevermögen und Entschlossenheit sind zwei der wichtigsten Eigenschaften, die wir erfolgreichen Athleten zuschreiben, und diese Mannschaft strotzt wahrlich davon. Sie verkörpern Nelson Mandelas Botschaft: Der Sport kann Hoffnung erwecken, wo zuvor nichts als Verzweiflung war.“

Tegla Loroupe: „Dieser Preis ist für die 65.4 Millionen Flüchtlinge auf der ganzen Welt, die aufgrund von Unruhen nicht nach Hause können. Jedes der zehn inspirierenden Mitglieder unseres Teams hat viele Hindernisse überwunden und einen unvorstellbaren Weg beschritten, um an dieser Startlinie zu stehen. Wir waren nicht in Rio um Medaillen zu gewinnen; wir waren dort mit der Hilfe des IOC und von UNHCR, um die positive Kraft des Sports für die Hoffnung von Menschen weltweit einzusetzen. Es ist noch viel mehr Arbeit notwendig um die Flüchtlingskrise zu bewältigen. Wir müssen zusammenarbeiten, damit die Welt ein friedlicher Ort für alle Menschen wird.

Yiech Pur Biel: „Für mich ist es nahezu unvorstellbar, dass ich heute hier bin, um diesen Award von diesen Sportlegenden entgegenzunehmen. In Rio traten wir gemeinsam mit den weltbesten Athleten an und stellten unter Beweis, dass auch Flüchtlinge an der größten Sportveranstaltung der Welt teilhaben können. Der Sport hat mir Hoffnung gegeben, und ich bin mir sicher, dass wir anderen Flüchtlingen als Kraft- und Inspirationsquelle dienen können.“

Rami Anis: „Diese Auszeichnung bedeutet so viel. Nicht nur für das Olympiateam der Flüchtlinge, sondern auch für diejenigen, die uns auf unserem Weg zu den Olympischen Spielen begleitet und unterstützt haben. Im Sport erhält jeder eine Chance, und bei den Olympischen Spielen in Rio haben wir Menschen auf der ganzen Welt, deren Leben von Schwierigkeiten und Angst geprägt ist, gezeigt, dass es Hoffnung gibt.“

Autor: Iain Clark, web: laureus.de

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Markus Schneider
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