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Teja Gregorin und Ivan Tcherezov sichern sich Titel in Püttlingen

Püttlingen. So kann man Biathlon ansonsten kaum erleben: so hautnah, so intensiv, so

dynamisch. Die Helden des Winters huschen im saarländischen Püttlingen noch keinen

halben Meter an ihren Fans vorbei. Auch bei der neunten Auflage des ODLO City-

Biathlons verfolgten heute rund 15.000 Zuschauer das sommerliche Biathlon-Spektakel

der Olympiasieger, Weltmeister sowie Weltcup-Gewinner. In einem erlesenen Starterfeld

sprinteten der Russe Ivan Tcherezov bei den Herren und Teja Gregorin aus Slowenien

bei den Damen zum Sieg. Unter all den Biathlon-Hochkarätern behielt Gregorin auf dem

1,6 Kilometer langen Rundkurs durch die Innenstadt und am Schießstand mitten auf dem

Püttlinger Burgplatz die Oberhand. Sie verwies die Norwegerin Synnøve Solemdal auf

den zweiten Platz. „Ich habe mich sehr darüber gefreut, hier starten zu dürfen. Es hat mir

wieder sehr gut gefallen. Die Fans an der Strecke waren wie immer super", gab Gregorin

zu Protokoll. Bei ihrem fünften Start im Saarland sprang für Andrea Henkel der dritte

Rang raus – gewinnen konnte das deutsche Biathlon Ur-Gestein hier noch nie.

„Püttlingen ist immer sehr gut, um in die Saison reinzukommen. Auf der Strecke war es

heute ok. Das Liegendschießen war nicht so gut, aber insgesamt bin ich sehr zufrieden",

sagte die 35-Jährige. Hinter der DSV-Athletin folgte das derzeitig Aushängeschild des

Damen-Biathlons. Tora Berger gewann bei den Weltmeisterschaften in Nove Mesto

sechs Medaillen und sicherte sich souverän den Gesamtweltcup – in Püttlingen landete

die Norwegerin nur auf dem undankbaren vierten Platz. An fünfter Position kam Olena

Pidhrushna aus der Ukraine ins Ziel. Die deutschen Farben vertraten neben Andrea

Henkel auch Franziska Preuß und Evi Sachenbacher-Stehle. Die 19-jährige Preuß

konnte die Qualifikation überraschend mit über sieben Sekunden Vorsprung vor Tora

Berger für sich entscheiden. Im Rennen hatte sie aber 55 Sekunden Rückstand auf die

Siegerin und wurde Sechste. Die Tschechin Gabriela Soukalová setzte sich in der

Endabrechnung noch vor die ehemalige Langläuferin Sachenbacher-Stehle. „Das war

heute nicht einfach für mich, das hier in Püttlingen ist recht schwierig, aber läuferisch

geht es schon ganz gut“, sagte sie zu ihrer Premiere beim ODLO City-Biathlon.

Ein Biathlon im Sommer – ohne dicke Jacke, Mütze und Handschuhe. Da scheint sich

Ivan Tcherezov sichtlich wohl zu fühlen. Der Russe lieferte sich mit Christoph Sumann

aus Österreich an der Ziellinie einen packenden Zweikampf. Schon zuvor auf der Strecke

boten sie den Zuschauern ein atemberaubendes Duell mit spannenden

Überholmanövern. Da gab es keine Taktik mehr – hier ging es nur um den Sieg. Mit nur

0,1 Sekunden hinter Tcherezov hatte Sumann in einem echten Fotofinish das

Nachsehen. Der 32-jährige Russe pausierte in der abgelaufenen Saison

verletzungsbedingt, strebt aber für die neue Saison wieder Top-Platzierungen an. Und in

Püttlingen ging es schon gut los. „Ich habe mich sehr auf das letzte Schießen

konzentriert, weil es davor nicht so geklappt hat. Ich bin schmerzfrei und kann sogar

wieder Fußball spielen. Die Hauptsache ist für mich, Spaß am Biathlon zu haben. Die

Ergebnisse kommen dann im Laufe der Zeit von ganz alleine." sagte der dreifache

Weltmeister. Im Feld der Herren waren aus dem deutschen Lager Simon Schempp,

Andreas Birnbacher und Arnd Peiffer am Start. In dieser Reihenfolge konnten die

Athleten des Deutschen Skiverbandes unter den Augen von Chef-Bundestrainer Uwe

Müssiggang auch die Qualifikation für sich entscheiden. Im Finale hatte Birnbacher aber

55 Sekunden Rückstand auf die beiden Führenden. Doch der Sieger von 2011 war mit

seinem Ergebnis sehr zufrieden: „Es sind hier richtig gute Leute am Start, von denen

jeder jeden schlagen kann. Da weiß man, dass es sehr eng wird. Das sind alles sehr gute

Weltcup-Starter. Deshalb ist schon anspruchsvoll und sehr schwer, hier zu gewinnen.

Eigentlich wollte ich auch ganz vorne mitlaufen, aber das habe ich mir beim Schießen

versaut", sagte der 31-jährige Birnbacher. Auf Platz vier landete Arnd Peiffer, gefolgt von

Fredrik Lindström aus Schweden. Schon 1:18.4 Minuten Rückstand auf den Führenden

hatte der Quali-Gewinner Simon Schempp, gefolgt von Tim Burke aus den USA. Mit der

Roten Laterne musste sich der Norweger Alexander Os begnügen. Der sprang in letzter

Sekunde für Vorjahresgewinner Martin Fourcade ein. Der Franzose musste seine

Teilnahme absagen. Der fünffache Weltmeister befindet sich derzeit im

Höhentrainingslager im norditalienischen Bormio. Vor dort hätte der Weltcup-Gesamtsieg

des vergangenen Winters heute per Hubschrauber ins Saarland geflogen werden sollen.

Doch auf Grund der schlechten Wetterlage mit Stürmen und Gewittern in Süddeutschland

sowie im Alpenraum war dies leider nicht möglich. „Das ist natürlich sehr bitter, viele

Biathlon-Fans haben sich auf den Mann gefreut, der vergangene Saison das Maß aller

Dinge war. Aber die Sicherheit der Athleten geht natürlich über alles und es wäre

unverantwortlich gewesen, ihn auf die Reise zu schicken“, erklärt Ralf Niedermeier, der

GeschaÅNftsführer der ausrichtenden Agentur niedermeier+ Marketing PR Events.

Richtig laut wurde es dann zwischen der Qualifikation und dem Finale der aktiven

Athleten. Unter tosendem Applaus feierten die Zuschauer eine deutsche Biathlon-Ikone.

Denn der Köllertalstadt wurde eine große Ehre zuteil. Nach Kati Wilhelm vor drei Jahren

nutzte auch der dreifache Olympiasieger Michael Greis den Innenstadt-Biathlon, um

seinen Fans Lebewohl zu sagen. Für sein Abschiedsrennen trommelte der 37-Jährige mit

Ricco Groß, Michael Rösch und Sven Fischer die Mitglieder der Gold-Staffel der

Olympischen Winterspiele von Turin 2006 zusammen, die heute gegen zwei Fan- und

Prominenten-Teams antraten. Dem dreifachen Weltmeister Greis war dabei im Vorfeld

wichtig, dass sein letztes Rennen keine bierernste Angelegenheit sein sollte, sondern vor

allem eine große Gaudi. So ging die Gold-Staffel mit Skirollern an den Start, die beiden

anderen Mannschaften durften mit Elektro-Fahrrädern durch die Innenstadt flitzen. Die

Fan-Teams hatten keine Chance, aber die ehemaligen Biathlon-Stars machten allerlei

Albernheiten, so dass die Zuschauer ihre helle Freude hatten. „Ich habe das

Abschiedsrennen nicht gemacht, um mich zu präsentieren, sondern um den Menschen

diesen Sport näherzubringen. Ich denke, das ist heute gelungen“, sagte Greis, der als

einziger Athlet bei allen neun Veranstaltungen am Start war. „Der ODLO City-Biathlon

begeistert Jahr für Jahr Tausende Zuschauer an der Rennstrecke und Millionen

Zuschauer an den Fernsehgeräten in Deutschland, Russland und Norwegen. Ich denke,

wir konnten den Menschen wieder ein außergewöhnliches Spektakel bieten und freuen

uns schon jetzt auf nächstes Jahr, wenn wir als Gastgeber alle Biathlon-Freunde zur

zehnten Auflage begrüssen dürfen“, sagte Püttlingens Bürgermeister Martin Speicher.

 

 


Eingestellt am 27.08.2013 um 10:26 Uhr Von: Pascal Blum